Robert C. Summers im Video „Ich fühle mich nicht ernst genommen“ – Unterschied zwischen Gefühl und Gedanke in der Kommunikation

„Ich fühle mich nicht ernst genommen“ – Gefühl oder Gedanke? (Video)

„Ich fühle mich nicht ernst genommen.“

Das klingt nach einem Gefühl.
Ist es aber nicht.

In diesem Video gehe ich einer sprachlichen Gewohnheit nach, die harmlos wirkt – und doch Gespräche blockieren kann. Wenn wir Gedanken als Gefühle ausgeben, entziehen wir sie der Überprüfbarkeit. Genau dort beginnt oft die Sprachlosigkeit.

Erstveröffentlichung auf LinkedIn: 14.10.2025
Veröffentlichung auf YouTube: 17.10.2025

Was unterscheidet ein Gefühl von einem Gedanken?

Ein echtes Gefühl – etwa Trauer, Angst oder Freude – lässt sich körperlich spüren.
Es ist unmittelbar. Es braucht keine Begründung.

Ein Gedanke dagegen ist eine Bewertung. Eine Interpretation.
Und Interpretationen können zutreffen – oder eben nicht.

Wenn ich sage:
„Ich denke, du nimmst mich nicht ernst“
dann öffne ich einen Raum für Klärung.

Wenn ich sage:
„Ich fühle mich nicht ernst genommen“
wird es schwierig zu widersprechen, ohne mein Gefühl in Frage zu stellen.

Der Vorwurf bleibt – aber der Dialog wird erschwert.

Übertragung auf Gesprächskultur

Ich beobachte diese sprachliche Verschiebung nicht nur in Paar- oder Teamkonflikten, sondern zunehmend im öffentlichen Diskurs. Bewertungen werden als Gefühle formuliert – und damit unangreifbar gemacht.

Das ist verständlich.
Aber es verhindert Erkenntnis.

Dialog entsteht dort, wo Denken und Fühlen nebeneinanderstehen dürfen – und wo wir bereit sind, Verantwortung für unsere Bewertungen zu übernehmen.

Zum Nachlesen

Ausführlicher beschreibe ich diese Unterscheidung und ihre Wirkung auf Konflikte in meinem Buch Reden statt Streiten. Dort geht es genau um solche sprachlichen Feinheiten – und darum, wie wir Verantwortung für unser Denken übernehmen können, ohne unsere Gefühle zu verleugnen.

Ein Gedanke zum Schluss:

Wenn du dich das nächste Mal sagen hörst:

„Ich fühle, dass du …“

halte kurz inne.

Ist es wirklich ein Gefühl?
Oder ein Gedanke, für den du vielleicht noch Argumente suchst?

Genau dort beginnt Gespräch.

Teilen Sie diesen Beitrag: